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Bei der Arbeit mit Senioren in der stationären oder ambulanten Altenpflege geht es natürlich auch um Aktivitäten bzw. Aktivierungen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit: Sie schaffen soziale Teilhabe und regen Körper, Geist und Sinne an.

Heute möchte ich fünf einfache Aktivitäten vorstellen, die immer funktionieren und keine große Vorbereitung erfordern. In der digitalen Welt ist das für mich persönlich ein großer Vorteil:
Ich benötige kein umfangreiches Material, das ich mühsam von A nach B transportieren muss. Mein Smartphone nutze ich sehr gerne – sowohl für kurze Begegnungen als auch in der Gruppenarbeit.

Welche Aktivierungen stelle ich heute vor?

- Singen und/oder Musizieren
- Sinneswahrnehmung
- Lesen, erzählen, raten
- kreatives Gestalten
- Bewegungsübungen

- Singen und/oder Musizieren
Unsere Senioren singen nach wie vor gerne. Das können klassische Volks- und Wanderlieder sein, bekannte Lieder der NDW oder auch heutige Schlager. Das Schöne daran: Jeder kann singen. Ja, wirklich – jeder. Wer den Text nicht sicher kann, kann summen oder brummen. Auch das ist Singen.

Ich gebe zu, ich selbst bin kein großer Fan von Volks- oder Wanderliedern. Aber darum geht es nicht. Es zählt immer, was der Bewohnende oder Klient möchte – und nur das. Es ist auch nicht schlimm, wenn wir Betreuungsassistenten den Text nicht kennen. Oft können die Senioren ihn – und wenn es mal stockt, ist das überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Gemeinsam zu überlegen, wie es weitergeht, kann sehr verbindend sein.

Auch Musizieren lässt sich einfach umsetzen. Wenn kein Instrument vorhanden ist, nutzen wir den Körper: auf den Tisch klopfen, in die Hände klatschen oder mit den Füßen den Takt schlagen. Vielleicht gibt es auch Orff-Instrumente oder Bewohnende, die ein Instrument spielen können.

Wichtig ist: Es muss nicht perfekt sein. Es geht um Gemeinschaft, Freude, Beschäftigung und Erinnerungen. Was gibt es Schöneres, als einem Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern?
Für mich gilt jeden Tag: Jedem Bewohnenden, den ich besuche, möchte ich ein positives Gefühl mitgeben – etwas, woran er sich auch später noch gerne erinnert. Es muss nicht immer nur fröhlich sein. Auch Tränen, ernste Gespräche und tiefe Momente haben ihren Platz. Alles ist gut, was den Menschen erreicht.
- Sinneswahrnehmung
Ein wunderbares Angebot, das gezielt unsere Sinne anspricht – und kaum Vorbereitung benötigt.

Riechen, fühlen und schmecken lassen sich mit einfachen Mitteln umsetzen. Beginnen wir mit dem Riechen: Viele Menschen mögen Düfte wie Kaffee, Zitrone oder Kräuter. Eine schöne Idee ist es, gemeinsam Kaffee zuzubereiten – ganz klassisch mit Kanne und Filter. So, wie es viele Senioren früher selbst gemacht haben.
Das weckt Erinnerungen, schafft Atmosphäre und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee ist einfach unvergleichlich.

Und das Beste: Den Kaffeesatz können wir weiterverwenden.
Daraus lässt sich ein einfaches Handpeeling herstellen:

* 4 EL Kaffeesatz
* 2 EL Öl
* etwas Honig

Alles vermischen (gerne gemeinsam mit dem Bewohnenden) und auf die Hände auftragen. Danach mit warmem Wasser abspülen – und die Haut fühlt sich spürbar weicher an.

Mit dieser einfachen Aktivität sprechen wir mehrere Sinne gleichzeitig an. Es sind oft die kleinen Dinge, die große Wirkung haben.

- Lesen, erzählen und raten
Mit diesem Punkt kann wirklich nichts schief gehen. Es gibt auf dem Markt eine Vielzahl an tollen und sehr gut geeigneten Büchern. Es gibt Kurzgeschichten für Menschen mit und ohne Demenz, Rategeschichten, Reimgeschichten, Liedergeschichten usw. Je nach Interesse und Einschränkung sind dort der Kreativität freien Lauf gelassen.

Ich persönlich mag Kurzgeschichten welche ich den Bewohnenden vorlese, entweder weil gerade nichts anderes geht oder es öffnet Türen für ein Gespräch. Menschen tauschen sich gerne aus, über gehörtes oder gesehenes.

Interaktion im Gespräch ist super, es passiert unglaubliches im Körper im Schnellverfahren nenne ich folgendes:

* Hormonelle Veränderung (Wohlbefinden) Oxytocin (Kuschelhormon) und Dopamin (Glückshormon)
* Stressabbau: Oxytocin wirkt stressreduzierend, indem es das Stresshormon Cortisol im Körper senken kann
* Aktivierung des Nervensystems
* Nonverbale Synchronisation (Körpersprache)
* Schmerzlinderung (Besonders bei angenehmer Kommunikation wie Studien zeigen)

Alleine diese Punkte sind doch Grund genug sich zu Unterhalten, wir sind nicht dafür ausgelegt still und stumm in einem Raum zu sitzen, wir brauchen Austausch und ich finde das ist auch gut so.

- kreatives Gestalten
Zugegeben, ich kann wirklich vieles aber kreatives Gestalten gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen 😉.
Trotzdem gebe ich mein Bestes, wenn der Wunsch danach besteht.

Denn auch hier gilt: Es geht um den Menschen, nicht um unsere eigenen Vorlieben.
Malen und Basteln fördern:
* Feinmotorik
* kognitive Fähigkeiten
* emotionale Stabilität
* soziale Kontakte
* Selbstwertgefühl durch sichtbare Ergebnisse

Kreativität kann aber auch anders aussehen: Zum Beispiel durch gemeinsames Schreiben von Geschichten, Gedichten oder ein Elfchen gemeinsam schreiben.
Ein Elfchen ist eine kurze Gedichtform, die aus genau elf Wörtern besteht, verteilt auf fünf Zeilen. Es folgt einer festen Struktur, bei der jede Zeile eine bestimmte Anzahl von Wörtern und inhaltliche Vorgaben hat. Elfchen reimen sich meist nicht, fördern aber die Kreativität.
Aufbau eines Elfchens:
  1. Zeile: 1 Wort (Farbe, Gegenstand, Gedanke)
  2. Zeile: 2 Wörter (Eigenschaft, Beschreibung)
  3. Zeile: 3 Wörter (Aktion, "was passiert?")
  4. Zeile: 4 Wörter (Gefühl, persönliche Meinung)
  5. Zeile: 1 Wort (Fazit, Zusammenfassung)
Auch hier ist es ein tolles kreatives Angebot welches hervorragend in der Einzelbetreuung oder in der Gruppenarbeit durchgeführt werden kann.

- Bewegungsübungen
Bewegung mit Senioren macht mir persönlich besonders viel Freude. Einmal pro Woche leite ich eine Gymnastikstunde – und ich bin immer wieder erstaunt, wie fit viele Senioren sind oder wie sehr sie sich verbessern.

Wichtig ist ein sanfter Einstieg:
* Schultern kreisen
* Finger bewegen
* Füße kreisen
Die Übungen sollten bewusst, wiederholt und angepasst durchgeführt werden. Natürlich sind dies nur Beispiele und zum Einstieg gibt es mehr Übungen, die getätigt werden.

Bitte keine Gymnastikstunden anbieten wenn nicht vorher eine entsprechende Aus,-Fort,-oder Weiterbildung absolviert wurde.

Hilfsmittel wie Bälle oder Luftballons lassen sich wunderbar einsetzen. Bewegung darf spielerisch sein – auch kleine Wettkämpfe können motivieren. Ich arbeite gerne in kleinen Teams, da entsteht oft eine tolle Dynamik.

Und: Was in der Gruppe funktioniert, geht auch in der Einzelbetreuung – selbst bei immobilen Menschen. Entscheidend ist immer die individuelle Anpassung.
Bewegung soll Freude machen – genau wie bei uns selbst auch.

Materialien und weitere Ideen findet man schnell im Internet. Ich nutze dafür häufig mein Smartphone – dort habe ich Geschichten, Lieder und vieles mehr jederzeit griffbereit.
Und ganz wichtig: Es zählt immer das, was der Bewohnende oder Klient möchte – nicht unsere eigenen Vorlieben.



Über den Autor
Vanessa Owsianowski
Vanessa Owsianowski
Betreuungsassistentin, HPPSY in Ausbildung
Seit über zehn Jahren arbeite ich als Betreuungsassistentin und begleite Menschen mit Herz, Humor und fachlichem Blick. Aktuell erweitere ich mein Wissen in der Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie. In meiner Arbeit verbinde ich menschliche Nähe, praktische Erfahrung und psychologisches Verständnis.